Mein letztes Wochenende in Indien war von interkulturellen Festivitäten gekennzeichnet. Los ging es am Donnerstag mit dem irischen St. Patrick’s Day, gefolgt von einer amerikanischen Mardi-Gras-Party und abgeschlossen mit Holi, dem indischen Fest der Farben. Holi wird gespielt, mal freiwillig, mal unfreiwillig. Dabei saut man sich dabei gegenseitig mit bunten Farben ein und die Stadt ist schon Tage vorher voller bunter Menschen, die ihrem Alltagsgeschäft nachgehen.
Holi habe ich zweimal gespielt, einmal an meinem letzten Arbeitstag auf dem Dach des Gebäudes, ein zweites Mal beim “Holi Cow Festival” am Sonntag direkt vor meiner abreise. Beide Male gefolgt von einer laaaangen Dusche, selbst dann gehen nicht alle Farben ab.
6 kurze Tage war ich zu Hause, jetzt bin ich bei meiner vorerst letzten Station angekommen. In Südafrika.
Hier wohne ich am Stadtrand in der Deutschen Schule mit Lehrämtlern und Weltwärtslern. So wohne ich in Deutschland, arbeite in Deutschland, sogar ein deutscher Bäcker, ein deutscher Metzger und eine deutsche Autowerkstatt sind in der Nähe. Nach einem halben Jahr in Afrika und Asien ist es schön wieder in der Heimat zu sein. Vor dem Kontakt mit Einheimischen schützt mich zu Hause und bei der Arbeit ein hoher Zaun und eine Security-Mannschaft.
Mein erster Eindruck von Pretoria war, dass es aussieht wie eine Stadt in Amerika. Große Malls, breite Straßen, eine Autostadt. Ohne ein Auto verlässt man das Haus nicht. Dem entsprechend habe ich mir hier auch ein Auto gemietet. Es ist alt genug um selber Auto fahren zu dürfen. Es ist noch “Made in W. Germany”.
Die Orientierung in der Millionenstadt ist dank Schachbrett-Stadtplan vergleichsweise einfach. Trotzdem bin ich froh ein Navi mitgemietet zu haben. Bei der Bedienung muss man aber aufpassen. Gleich ausgesprochene Straßennamen gibt es mit unterschiedlichen Schreibweisen mehrfach. So bin ich letztens statt zu den Leuten die ich besuchen wollte ins Township Mamelodi gefahren.
Das ist an sich zwar kein Problem, wir waren vorher schon in einer Kneipe dort gewesen, aber alleine wollte ich das dann doch vermeiden. Unter dem Begriff “Township” konnte ich mir bis dahin nicht viel vorstellen. Dem Ruf nach ist das ein dunkler Fleck auf der Landkarte und wenn man dem zu nahe kommt wird man automatisch ausgeraubt, vergewaltigt und dann ermordet. Es sind Gegenden, die – nachdem was ich bisher gesehen habe, und das ist noch nicht viel – fast ausschließlich aus Baracken bestehen, häufig aus Blech, Strom ist dort keine Selbstverständlichkeit und Abwasser sowieso nicht.
Erst in den Townships kriegt man eine Ahnung von dem Problemen in diesem Land. Wie gesagt, der Eindruck der ersten Tage erinnerte mich an das reiche Land USA. Was sollte ich also hier? Ich war doch gekommen um in die Entwicklungszusammenarbeit einzusteigen. Aber das ist das krasse an diesem Land. Viel mehr noch als in Indien gibt es hier Ungleichheit (Für die Experten: Der Gini-Koeffizient für Einkommen liegt bei 0,65! Das ist enorm, in Sachen Ungleichheit wird Südafrika damit nur von Namibia geschlagen und lässt Länder wie Mexiko, Indien oder China weit hinter sich). 43% der Bevölkerung leben unter der absoluten Armutsgrenze. Während man in Indien nicht vor die Tür gehen kann ohne mit bitterer Armut konfrontiert zu werden, kann man hier sehr gut in seiner eigenen reichen Welt leben, gewisse Stadtviertel meiden und so von den Problemen nichts mitbekommen.
Es gibt also doch einiges zu tun hier. So bin ich dann am Freitag zum ersten Mal in die Botschaft gefahren und stand ich dann gleich am ersten Tag mit rauchendem Motor in der Sicherheitsschleuse. Inzwischen habe ich ein anderes Auto, genauso alt aber mit halb so viel Kilometern auf der Uhr und mit Automatik, sodass die Gangschaltung keine Zicken mehr machen kann. Dafür springt aber auch dieser Wagen machmal nachts auf dunklen Parkplätzen nicht an und wackelt bei 120 so sehr, dass man sich freiwillig an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, weil man sich garnicht traut schneller zu fahren.
Jetzt arbeite ich also in einer hierarchischen Welt voller ausgedruckter Emails. Und weil wir hier Politik machen hat das viel mit Lesen zu tun. Viel verstehe ich noch nicht, weil alles auf einem ziemlich abstrakten Niveau besprochen wird und sehr komplex ist, allein schon wegen den vielen Beteiligten Organisationen. Inzwischen hatte ich Meetings mit der GIZ, der KfW und war bei der EU-Kommission. Für die anstehenden Kommunalwahlen habe ich auch schon etwas zu tun und werde internationaler Wahlbeobachter.















































































































































